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Σάββατο 26 Μαΐου 2012

Gedicht von Günter Grass zur Griechenland-Krise Europas Schande

25.05.2012

Ein Gedicht von Günter Grass
"Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht..." In einem zornigen Gedicht äußert sich Nobelpreisträger Günter Grass zur Griechenland-Krise. Europa stelle das Land, in dem die europäische Idee einst geboren wurde, an den Pranger, beraube es seiner Rechte und verurteile es zu Armut, klagt er. Und der Dichter zeigt Verständnis für die Wut der Griechen. 

Als sich Günter Grass mit seinem Gedicht "Was gesagt werden muss" vor gut sieben Wochen an dieser Stelle in die Nahost-Debatte einschaltete, war die Reaktion der Leser und der Medien groß. Sie war größer, als auf jedes andere Thema, das die Süddeutsche Zeitung in den vergangenen Jahren behandelte. Zunächst drehte sich die Debatte vor allem darum, ob Grass mit seinem Gedicht gegen einen etwaigen Angriff Israels auf Iran unzulässige, wenn nicht gar antisemitische Kritik an Israel geübt hatte. Vor allem sein spätes Geständnis von 2006, dass er als Jugendlicher Mitglied der Waffen-SS war, machte es in den Augen vieler Kritiker für Grass unmöglich, sich in die Nahostdebatte einzumischen. Es dauerte, bis es im Diskurs um den politischen Kern des Gedichts ging - die Frage nach dem präventiven Krieg. Nun meldet sich Günter Grass wieder mit einem Gedicht zu Wort - zur Debatte um Griechenland. Die Form der Meinungsäußerung mag umstritten sein, doch sie hat Tradition. Von der Antike über Bertold Brecht bis hin zu der Lyrik des Hip-Hop erlaubte die metrische Form, komplexe politische Zusammenhänge zu verdichten, ohne sich mit dem Slogan zu begnügen. Für Günter Grass hat die politische Einmischung wiederum eine biografische Tradition. Als Mitglied der Gruppe 47 verstand er in den Jahren nach dem Kriege die Literatur noch als "Schreiben gegen das Vergessen". Bald gehörte das politische Engagement für ihn wie selbstverständlich zur Rolle des Schriftstellers und Dichters. Spätestens mit der Verleihung des Literaturnobelpreises im Jahr 1999 war Günter Grass auch international als Stimme eines moralischen Deutschland anerkannt.

Europas Schande  
Ein Gedicht von Günter Grass
 
Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht,
bist fern Du dem Land, das die Wiege Dir lieh.
Was mit der Seele gesucht, gefunden Dir galt,
wird abgetan nun, unter Schrottwert taxiert.
Als Schuldner nackt an den Pranger gestellt, leidet ein Land,
dem Dank zu schulden Dir Redensart war.
Zur Armut verurteiltes Land, dessen Reichtum
gepflegt Museen schmückt: von Dir gehütete Beute.
Die mit der Waffen Gewalt das inselgesegnete Land
heimgesucht, trugen zur Uniform Hölderlin im Tornister.
Kaum noch geduldetes Land, dessen Obristen von Dir
einst als Bündnispartner geduldet wurden.
Rechtloses Land, dem der Rechthaber Macht
den Gürtel enger und enger schnallt.
Dir trotzend trägt Antigone Schwarz und landesweit
kleidet Trauer das Volk, dessen Gast Du gewesen.
Außer Landes jedoch hat dem Krösus verwandtes Gefolge
alles, was gülden glänzt gehortet in Deinen Tresoren.
Sauf endlich, sauf! schreien der Kommissare Claqueure,
doch zornig gibt Sokrates Dir den Becher randvoll zurück.
Verfluchen im Chor, was eigen Dir ist, werden die Götter,
deren Olymp zu enteignen Dein Wille verlangt.
Geistlos verkümmern wirst Du ohne das Land,
dessen Geist Dich, Europa, erdachte.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/gedicht-von-guenter-grass-zur-griechenland-krise-europas-schande-1.1366941

Gedicht "Europas Schande" Günter Grass wettert gegen Griechenlandpolitik

Günter, Grass, Gedicht, Griechenland, Süddeutsche, Zeitung,"Als Schuldner nackt an den Pranger gestellt": Schriftsteller Günter Grass verteidigt Griechenland.© Marcus Brandt/DPA


Literaturnobelpreisträger Günter Grass hat ein neues Gedicht geschrieben. Nach seiner umstrittenen Kritik an Israel knöpft er sich nun Europas Umgang mit Griechenland vor und nimmt dabei auch Deutschland ins Visier.

Knapp zwei Monate nach seinem umstrittenen israelkritischen Gedicht geht Literaturnobelpreisträger Günter Grass (84) in neuen Versen mit Europas Griechenlandpolitik hart ins Gericht. Das Gedicht, das an diesem Samstag in der "Süddeutschen Zeitung" erscheint, trägt den Titel "Europas Schande". Grass beklagt darin, dass Griechenland "als Schuldner nackt an den Pranger gestellt" und "unter Schrottwert taxiert" werde. Es sei ein "rechtloses Land, dem der Rechthaber Macht den Gürtel enger und enger schnallt".

Das Gedicht besteht aus zwölf je zweizeiligen Strophen. Grass spricht darin Europa direkt an. Das Werk beginnt mit den Zeilen "Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht, bist fern Du dem Land, das die Wiege Dir lieh". Griechenland werde "abgetan": "Als Schuldner nackt an den Pranger gestellt, leidet ein Land, dem Dank zu schulden Dir Redensart war."

Anspielung auf deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg

Der Autor beklagt, dass Griechenland zur Armut verurteilt sei, ein "kaum noch geduldetes Land". Europa wirft er vor, dem Land den Giftbecher zu trinken zu geben: "Sauf endlich, sauf! schreien der Kommissare Claqueure, doch zornig gibt Sokrates Dir den Becher randvoll zurück", schreibt Grass unter Anspielung auf den griechischen Philosophen Sokrates, der nach einem Todesurteil den Schierlingsbecher getrunken hatte.
Grass spielt offenbar auch auf die deutsche Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg an: Diejenigen, die das Land mit Waffengewalt heimgesucht hätten, "trugen zur Uniform Hölderlin im Tornister". Zum Schluss warnt der Dichter Europa vor einem Götterfluch und mahnt: "Geistlos verkümmern wirst Du ohne das Land, dessen Geist Dich, Europa erdachte."

Internationale Empörung im April

In seinem Anfang April - ebenfalls in der "Süddeutschen Zeitung" - veröffentlichten Gedicht "Was gesagt werden muss" hatte Grass Israel vorgeworfen, als Atommacht den Weltfrieden zu gefährden. Der Iran sei von einem atomaren Präventivschlag durch Israel bedroht, der das iranische Volk auslöschen könne. Das Gedicht hatte international für Empörung gesorgt und Grass den Vorwurf des Antisemitismus eingetragen. Israel hatte den Autor zur unerwünschten Person erklärt. Grass sah eine Kampagne gegen sich.
Günter Grass war mit seinem Roman "Die Blechtrommel" (1959) weltbekannt geworden. 1999 erhielt er den Literaturnobelpreis. Grass galt lange als moralische Instanz in Deutschland. Sein spätes Eingeständnis (2006 in seinem autobiografischen Werk "Beim Häuten der Zwiebel"), dass er kurz vor Kriegsende bei der Waffen-SS war, brachte ihm jedoch den Vorwurf ein, viel von seiner moralischen Glaubwürdigkeit verspielt zu haben.

http://www.stern.de/kultur/buecher/gedicht-europas-schande-guenter-grass-wettert-gegen-griechenlandpolitik-1832520.html 

 http://hellenikathemata.blogspot.com/2012/05/gedicht-von-gunter-grass-zur.html